Kanalinspektion :  Forum
 
Kanalinstpektion und -sanierung nicht mehr nötig?
geschrieben von: Wiebke (IP-Adresse bekannt)
Datum: 22. September 2012 15:06

Hallo,

in unserem Freundeskreis wird dieses Thema zurzeit heftig diskutiert, weil unsere Stadt die Frist nocheinmal um fünf Jahre verlängert hat. Stimmt das,dass man diese kostenspieligen Investitionen gar nicht mehr machen lassen muss?
Wartet man einfach ab, bis ein Brief der Stadt ins Haus flattert?

Zudem gab uns jemand den Tipp, die Kanalinspektion nicht von einem Unternehmen für Kanalsanierung machen zu lassen, da die sowieso ein schlechtes Ergebnis bescheinigen, um die Sanierung in Rechnung stellen zu können.

Wir sind total verunsichert!

Re: Kanalinstpektion und -sanierung nicht mehr nötig?
geschrieben von: kjansen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 29. September 2012 09:37

Hallo Frau oder Herr Wiebke,

in welchem Bundesland und Stadt ist ihr Haus?

Gesetzliche Regelungen insbesondere für die Pflicht zur optischen Dichtheitsprüfung von Grundstücksentwässerungsanlagen (GEA) sind nicht immer sehr zielführend.

Die Frist zur Inspektion bis zum 31.12.2015 wurde aus der letzten DIN 1986-30:2003-02 gestrichen, weil eine DIN-Norm keine Rechtsverordnung ist und wurde durch eine Zeitspannenregelung ersetzt.

Danach ist nach der neuen DIN 1986-30:2012-02 nach der Bauabnahmeinspektion und Wasserdichtheitsprüfung erstmalig eine Wiederholungsinspektion nach 30 Jahren und danach alle 20 Jahre durchzuführen.

Bei älteren GEA ist schon mal eine optische Inspektion anzuraten. Sie gehen ja auch ab 40 bzw. 50 Jahren zur Krebsvorsorge bevor der Kollaps eintritt.

Eine vernünftige optische TV-Inspektion gem. dem Bildreferenzkatalog private Abwasserleitungen in NRW siehe hier:
[www.umwelt.nrw.de]

bzw. der Arbeitshilfe SteB Köln siehe hier:
[www.steb-koeln.de]

ist ratsam.

Hier eine Anleitung vom Kanalgutachter zur optischen TV-Inspektion von GEA:

Anleitung zur optischen TV-Inspektion von Grundstücksentwässerungsanlagen (GEA) nach Isybau 2006 bzw. DIN EN 13508-2:2003-09 sowie DIN 1986-30:2012-02 und Bildreferenzkatalog SteB-Köln 2010.

Für die optische TV-Inspektion sind ausschließlich Kummert Kameras mit dem CamMobile Profi 3 oder gleichwertige Kameras einzusetzen. Für Rohre ab DN 50 mm ist die K-35, ab DN 100 mm ist die K-70L und bei verzweigten Systemen ist die abbiegbare CamFlex einzusetzen.

Am Anfang erfolgt eine Inaugenscheinnahme der vorhandenen Entwässerungssituation mit Anfertigung eines Schemalageplans und Zuordnung aller Fallrohre und angeschlossenen Entwässerungsgegenständen.

Eine ablagerungsfreie Hochdruckreinigung ist für alle verzweigten Leitungen einschließlich den angeschlossenen Regenfallrohren an den Schmutzwassergrundleitungen zwingend erforderlich, damit insbesondere auch die Sohlbereiche inspiziert werden können.
Danach erfolgt die Einrichtung der Kamera mit der Zustandserfassung nach Isybau 2006 und den örtlichen Stammdaten.

Inspektionsbeginn mit Blick auf das zu inspizierende Rohr und dann kurz die Örtlichkeit abschwenken. Die zu inspizierenden Rohre müssen abwasserfrei sein. Die Kamera muss zentral im Querschnitt des Inspekti¬onsobjektes angeordnet sein. Von allen Kürzeln ist ein Foto zu erstellen.
Der Rohranfang und das -ende müssen jeweils komplett abgeschwenkt (360°) werden. Die Inspektion ist voll¬ständig optisch zu dokumentieren (von Rohranfang bis Rohrende). Vom Hauptkanal ist gegen und in Fließrichtung jeweils ein Foto mit Kodes anzufertigen.

Jede Rohrverbindung ist axial- und radialsichtig zu dokumentieren und immer vollständig abzuschwenken sowie entsprechend durchzunummerieren (RV1, RV2 etc.). Anschlüsse sind so aufzunehmen, dass eine vollständige Einsicht zumindest bis zur ersten Verbindung einschließlich eines Fotos gegeben ist.

Grundsätzlich muss die Kamera zuerst axial und dann radial zum Schadensbild hin geschwenkt werden. Die Orientierung des Bildes auf dem Monitor des Betrachters darf dabei nicht verloren gehen. Eine ausschließliche Kamerafahrt mit verschwenktem Kamerakopf, z.B. zur Aufzeichnung eines Längsrisses, ist nicht zulässig.

Von allen relevanten Zuständen sind bei der Videoaufnahme zusätzlich Einzelbilder aus Axialsicht zu machen. Wenn mehrere Bilder von einem Zustand gefer¬tigt werden, ist darauf zu achten, dass alle Bilder diesel¬be Stationierungsangabe erhalten. Hierbei wird empfoh¬len, zuerst eine Aufnahme aus Axialsicht und anschließend ein Detailbild zu fertigen. Ein Schaden kann aus mehreren Schadenkodes bestehen!

Beachte: Grundsätzlich ist axial in das Schadenbild reinzufahren und dann ist das Schadenbild im Uhrzeigersinn um 360° abzuschwenken und mindestens ein Foto zu machen. Danach wird die Kamera wieder in die axiale Position gestellt. Dann wird die Schiebekamera mit Beibehaltung dieser Station bis zur axialen Detailansicht des Schadenbilds zurückgezogen und ein Foto mit den Kodes nach Isybau eingegeben. Anschließend wird die Kamera wieder in das Schadenbild vorgeschoben und die Inspektion fortgesetzt.

Bei Einsatz der Axialkamera K-35 bei Rohren kleiner DN 100 mm entfällt die Anforderun¬g an den Schwenkbetrieb. Es ist aber auf ein aufrechtes Bild zu achten!
Die optische Inspektion muss sorgfältig und mit einem dem Objektzustand angepassten Arbeitsfortschritt durchgeführt werden. Bei Inspektion mit fahrbaren TV-Anlagen darf die maximale Fahrgeschwindigkeit der Kamera nicht mehr als 15 cm/s betragen. Bei Schiebekameras ist auf einen gleichmäßigen Vorwärtsschub zu achten und einen ruckartigen Schiebebetrieb zu unterlassen. Es ist auf eine ruhige Bildführung zu achten.

Sofern einzelne Objekte nicht untersucht werden können, sind diese unter Angabe des Grundes zu dokumentieren. Grundsätzlich bedarf der Verzicht auf eine Untersuchung einzelner Objekte der Zustimmung des Auftraggebers. Diese Objekte sind dann im zweiten Anlauf mit einer Endoskopkamera für Rohre kleiner DN 50 mm zu inspizieren. Schwenks und Detailbetrachtungen dürfen nur bei Still¬stand der Kameraanlage vorgenommen werden.

Übergabe einer Exceltabelle mit allen relevanten Schadenkodes!

Die Regelwerke DWA-M 149-2 & -5, DIN 1986-30:2012-02 und die Bildreferenzkataloge der SteB-Köln sowie NRW sind zu beachten.


MfG

Karl Jansen

Ihr Kanalgutachter

E-Mail: kj@kanal-gutachter.de

Re: Kanalinstpektion und -sanierung nicht mehr nötig?
geschrieben von: Wiebke (IP-Adresse bekannt)
Datum: 25. März 2013 11:18

Wow! Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
Hat mir wirklich weitergeholfen!

LG



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.