Kanalsanierung :  Forum
 
BÀume fÀllen nach Wurzeleinwuchs in Abwasserleitung?
geschrieben von: Steinau (IP-Adresse bekannt)
Datum: 23. Oktober 2009 18:58

Hallo Herr Jansen,

ich habe zwei Fragen:
1.Der Abwasserkanal muß wegen WurzeleinwĂŒchsen auf eine LĂ€nge von 17m saniert werden.MĂŒssen nach einer Sanierung mittels Inline-/ oder Partliner-Verfahren die umstehenden BĂ€ume trotzdem alle gefĂ€llt werden, obwohl man nicht genau weiß, welche BĂ€ume die Verursacher sind?
Mir wurde gesagt, die BĂ€ume könnten stehenbleiben, da bei diesen Verfahren kein Wurzeleinwuchs mehr zu befĂŒrchten ist.

2. Wer ist denn zustĂ€ndig und wem mĂŒĂŸte eine DichtheitsprĂŒfung als Nachweis auf Verlangen vorgelegt werden?
Die Stadtwerke sagen: Wir nicht
Das Bau-Ordnungsamt sagt: Wir nicht

Vielen Dank im Voraus fĂŒr Ihre Antwort.
Mfg,K. Steinau

Re: BÀume fÀllen nach Wurzeleinwuchs in Abwasserleitung?
geschrieben von: kjansen (IP-Adresse bekannt)
Datum: 25. Oktober 2009 09:48

Hallo Herr Steinau,

das Kurzlinerverfahren ist nur fĂŒr die Reparatur vereinzelter partieller SchĂ€den mit einer maximalen Nutzungsdauer von bis zu 10 Jahren und nicht als Ersatz fĂŒr einen Schlauchliner auf 17m mit einer maximalen Nutzungsaduer von bis zu 40 Jahren geeignet.

Die Behebung der vorhandenen VerlegeschĂ€den im öffentlichen Bereich ihres Anschlusskanals sollte Ihnen die Stadt erstatten. Immerhin hatte sie ja auf Kosten des Anschlussnehmers diesen Kanalabschnitt gebaut und war auch damals bereits fĂŒr den Bau eines dauerhaften, wasserdichten Kanals mit Dichtheits-nachweis nach DIN 4033 verpflichtet.

Nach §61a Private Abwasseranlagen des LWG NRW, Absatz 3, vorletzter Satz, ist die Bescheinigung vom GrundstĂŒckseigentĂŒmer aufzubewahren und der Gemeinde auf Verlangen vorzulegen. Dieses Gesetz sende ich Ihnen per E-Mail zu.

Mit Gemeinde kann auch eine andere Institution gemeint sein, die den Kanalnetzbetrieb durchfĂŒhrt. Das steht in der EntwĂ€sserungs- oder Abwassersatzung.

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Mit der Novellierung § 61 des neuen Wasserhaushaltsgesetzes vom 31.07.2009 kommt es fĂŒr GrundstĂŒckseigentĂŒmer noch viel Schlimmer als es bisher mit dem LWG in NRW war. Nachfolgende ErlĂ€uterungen zum neuen WHG:

Mit Inkrafttreten des neuen WHG gibt es erstmals eine bundesweit geltende wasserrechtliche Verpflichtung zur SelbstĂŒberwachung auch von privaten GrundstĂŒcksentwĂ€sserungsanlagen. § 61 beinhaltet aber auch die ErmĂ€chtigung des Gesetzgebers, Details der SelbstĂŒberwachung auf dem Wege eine Rechtsverordnung
bundesweit verbindlich zu regeln. Dies bedeutet, dass mit Inkrafttreten des WHG bzw. der ErmÀchtigung des Bundes zur Schaffung einer EigenkontrollVO die derzeit geltenden Eigenkontrollvorschriften der BundeslÀnder ihre Rechtsgrundlage verlieren.

Die Inaugenscheinnahme und die Sanierung im Schadenfalle einer GrundstĂŒcksent-wĂ€sserungsanlage gehören kĂŒnftig zu den Betreiberpflichten jedes GrundstĂŒcks-eigentĂŒmers in Deutschland.

Im Übrigen entfĂ€llt im neuen WHG der alte § 18b, der die Grundpflichten der Betreiber von Abwasseranlagen konstituierte. Er wurde durch einen weitgehend wortgleichen § 60 WHG ersetzt, der den Betrieb von GrundstĂŒcksentwĂ€sserungen
an die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik bindet. DarĂŒber
hinaus heißt es aber in § 60 Abs. 2 kĂŒnftig: „Entsprechen vorhandene Abwasseran-lagen nicht den Anforderungen nach Absatz 1, so sind die erforderlichen Maßnahmen innerhalb angemessener Fristen durchzufĂŒhren.“

Das ist die Sanierungspflicht auch fĂŒr private Anlagenbetreiber, die es so explizit noch in keinem Landeswassergesetz gab.
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M.f.G.
Karl Jansen
Ihr Kanalgutachter



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 25.10.09 10:22.



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