Kanalvermögen :  Forum
 
Ertragswertmethode für Kanalprivatisierungen sinnvoller?
geschrieben von: Shuan Ghaderi (IP-Adresse bekannt)
Datum: 26. Juni 2002 17:13

Zu meiner Person: ich bin Bauingenieur-Student an der Ruhr-Uni-Bochum
und schreibe gerade meine Diplomarbeit mit dem Thema
"Verkehrswertbestimmung der Kanalisation" und hoffe, dass Sie mir bei

folgender Problematik helfen können.

Meine Frage:
Ist im Zuge zunehmender Privatisierungen die Ertragswertmethode zur
Vermögensbewertung von Kanalisationen anwendbar bzw. sinnvoll?

Hintergrund:
Die gängige Praxis nach Baukosten zu bewerten berücksichtigt nur den
materiellen Wert und nicht die Leistungsfähigkeit von Kanälen.
Es wird somit nicht differenziert zwischen Kanälen oder
Kanalabschnitten, die viel entwässern, an denen also viele
Einwohner/Industriebetriebe angeschlossen sind, und folglich eine
hohe funktionale Bedeutung haben und solchen Kanälen, die kaum
beansprucht werden.

Mögliche Vorgehensweise:
Mit der Ertragswertmethode werden die Netto-Gewinne (=Einnahmen
abzüglich der Kosten) innerhalb der Restnutzungsdauer berechnet.
Auf die Kanalisation übertragen würde man die Differenz aus
voraussichtlichen Einnnahmen der Abwasserableitung [€/m³] (im
kommunalen Bereich in Form von Abwassergebühren ) und den Kosten
(Instandhaltung,Personal,Verwaltung) innerhalb der statistisch
ermittelten Restnutzungsdauer (bis zur erforderlichen Erneuerung)
berechnen. Dadurch würde man die Entwässerungsleistung [m³] und somit

auch den funktionalen Wert/Nutzen von Kanälen bei der
Vermögensbewertung einbeziehen.

Sind diese Gedankengänge schon irgendwo umgesetzt worden? Wenn ja,
wo?
Haben Sie vergleichbare Verkehrswertbestimmungen durchgeführt oder
sind Ihnen solche bekannt?
Denken Sie, dass nur eine totale Liberalisierung des Wassermarktes
die Anwendung der Ertragswertmethode erlaubt?


Ich würde ich mich sehr auf eine baldige Nachricht
freuen. Vielen Dank im Voraus!
Mit freundlichen Grüßen
cand.-Ing. S. Ghaderi

Re: Ertragswertmethode für Kanalprivatisierungen sinnvoller?
geschrieben von: Andreas Koslowski (IP-Adresse bekannt)
Datum: 12. November 2002 01:16

Meiner Meinung nach führt das Kostendeckungsprinzip der Gebühreneinnahmen bei
jeder Ertragsbetrachtung zu einem "Nullsummenspiel". Insofern erschließt sich
mir Ihr Ansatz nicht. Eine Ertagsbetimmung einzelner Kanäle macht auch nur
Sinn, wenn das Kanalnetz nicht als Ganzes sondern auch "Teilnetze/-elemte"
verkauft werden würden. Diese Betrachtung ist jedoch realitätsfern.



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